„Wir haben viel voneinander gelernt“ Jugendaustausch zwischen Givat Haviva und Rheinland-Pfalz

„Toleranz zwischen Rhein und Jordan“ unter diesem Motto treffen 22 rheinland-pfälzische und israelische Jugendliche in einem zweijährigen Austausch- und Begegnungsprojekt aufeinander. Erste Station war im August der Besuch in Rheinland-Pfalz.

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Die zehn israelischen Jugendlichen, die zwischen dem 18. und 28. August 2015 in Rheinland-Pfalz Station machten, sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Begegnungsprojekts Face to Face – Erziehung zu Toleranz und Pluralismus in Givat Haviva. Dieses Projekt, das jüdische und arabische Jugendliche in einem anhaltenden Dialogsprozess  begleitet, wird bereits seit langem vom Land Rheinland-Pfalz gefördert. Die Jugendlichen waren der Einladung der Landesregierung gefolgt, zusammen mit 12 Schülerinnen und Schülern aus Rheinland-Pfalz für zehn Tage am Rhein zum gegenseitigen kennen- und voneinander lernen zusammenzukommen. Aber auch bei den deutschen Gastgeberinnen und Gastgebern, die durch das Ministerium für Bildung, Weiterbildung, Wissenschaft und Kultur (MBWWK) zu diesem Programm eingeladen  wurden, waren Jugendliche mit „Migrationshintergrund“ vertreten. Schließlich sollte das Einüben von Toleranz und neuer Weltbilder auf möglichst vielen DSC_2273Ebenen vermittelt und erfahrbar werden.

Bereits am Abend der ersten Begegnung – im Flughafen Frankfurt – kam ein herzliches und offenes Kima zwischen den beteiligten Jugendlichen und ihren Betreuerinnen und Betreuern auf und dieses, gleich zum Anfang geteilte Vertrauen sollte sich in den nächsten zehn Tagen nur noch weiter vertiefen: Neben Spiel, Spaß und touristischen Erlebnissen standen nämlich auch viele inhaltliche Programmpunkte an, die neben Besuchen im Landtag und in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz  auch Besuche bei Gedenkstätten zur Shoa, der deutschen Teilung und der europäischen Einigung umfassten. Die Schülerinnen und Schüler wurden dabei aufgefordert, eigene Erfahrungen von Fremdheit, Ausgrenzung, Grenzziehungen und Konflikt, aber auch nach der eigenen Identität zu reflektieren und sich untereinander dazu auszutauschen. Dieser Ansatz, den Givat Haviva bereits seit Jahrzehnten in der Jugend- und Erwachsenenarbeit anwendet, verfehlte auch dieses Mal nicht sein Ziel: Die Jugendlichen Juden und Araber, die „Biodeutschen“ und die „Zugewanderten“ entwickelten sehr schnell ein intimes Vertrauensverhältnis untereinander, das auch durch DSC_2339schwierigere Diskussionen um unterschiedliche Selbst- und Geschichtsbilder sowie Zukunftsvisionen nicht erschüttert wurde. Eine jüdische Teilnehmerin brachte Ihre Erfahrungen dabei so auf den Punkt: „Ich habe sehr viel über mich selbst erfahren und auch über meine deutschen Gastgeber. Am erstaunlichsten fand ich jedoch, wie frei ich auf einmal auch mit den arabischen Jugendlichen umgehen konnte. Ich habe viele neue Freundinnen und Freunde gewonnen, sowohl unter den deutschen Jugendlichen als auch unter den arabischen und jüdischen Israelis. Beides hätten wohl die wenigsten von uns erwartet. Wir haben gelernt, dass wir einander vertrauen und gemeinsam in die Zukunft blicken können. Wir haben einfach so viele Dinge voneinander gelernt.“

Nach einem emotionalen und tränenreichen Abschied in der Jugendherberge in Bingen Schülergruppe Israel Schäfersind sind die israelischen Jugendlichen mittlwerweile wieder zu Hause angekommen und auch in Rheinland-Pfalz hat das Schuljahr wieder begonnen. Nun bereitet sich Givat Haviva auf seine Gastgeberrolle vor, denn im August 2016 beginnt der zweite Teil des Austauschs. Bis dahin haben sich alle verabredet, per social media miteinander in Kontak zu bleiben.

BesuchGivatHaviva_GruppeGivat Haviva und das Ministerium für Bildung, Weiterbildung, Wissenschaft und Kultur danken der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, dem Daimler Benz-Werk Wörth, der Clément-Stiftung, der Dagmar Schmidt-Stiftung, dem Verein Im.Dialog, der Evangelischen Kirche im Rheinland sowie der Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz für deren großzügige Unterstützung dieses Austauschprogramms.

Zum Filmbeitrag der SWR Landesschau
Zum Filmbeitrag von 17:30 Live