Ein Jahr geht zu Ende…

Liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Unterstützerinnen und Unterstützer Givat Havivas,

ein ereignisreiches und in vielerlei Hinsicht schwieriges und herausforderndes Jahr liegt hinter uns: Die ohnehin schwache Hoffnung der Menschen in der Region und in aller Welt auf ein absehbares Ende des israelisch-palästinensischen Konfliktes wurden ein weiteres Mal zunichte gemacht: Im Mai gaben die israelische und die palästinensische Führung bekannt, die direkten Friedensverhandlungen ergebnislos zu beenden. Danach folgten grausame Gewaltakte auf beiden Seiten, die – angestachtelt durch aufhetzende Reden und Aktionen von Offiziellen beider Seiten– in einen fünfwöchigen Krieg in und um Gaza mündeten. Leider war dies lediglich der Anfang: Bis heute wird die Region wieder regelmäßig von Gewalt und Gegengewalt erschüttert. Ausstände, Hassbotschaften auf beiden Seiten, ausgrenzende Gesetzesvorhaben und nun auch noch Neuwahlen in Israel halten die Menschen in Atem. In der Zwischenzeit zerfallen die arabischen Nachbarstaaten und die Bevölkerungen dort werden wahlweise zu Geiseln von Krieg und Terror durch Fanatiker und Despoten. Und wieder kommen viele Beobachter zum Schluss, dass Frieden in der Region schlicht ein frommer Wunsch bleiben müsse, weil nationaler und religiös motivierter Hass wohl einfach stärker seien, als Vernunft und Solidarität.
שנה טובה 2015-page-001

Für uns ist es dennoch an der Zeit, nun auch wieder auf die Erfolge unserer Arbeit zurückzuschauen. Es ist Zeit, daran zu erinnern, dass Kooperation, friedliches Zusammenleben und gegenseitiges Vertrauen ohnehin nicht per Gesetzesbeschluss dekretiert werden können und genauso wenig aus dem Lauf eines Gewehres heraus entstehen. Diese Errungenschaften beginnen im kleinen, auf der Ebene der Bürger,  derjenigen Menschen, die eine jede Gesellschaft tragen. Lesen Sie im folgenden einige der positiven Entwicklungen unserer Arbeit:

Drittes Gemeindepaar unterzeichnet das Shared Communities-Partnerschaftsabkommen
Am 23. November unterzeichneten die Bürgermeister der arabischen Verbandsgemeinden Ma´ale Irron (arab.: Jebel Ara) und des jüdischen Megiddo Regional Council in einer feierlichen Zeremonie vor etwa 100 Gästen den Partnerschaftsvertrag als Gemeindepaar des Shared Community Projektes Givat Havivas. Die beiden Gemeinden werden von nun an für die nächsten vier Jahre umfassend miteinander kooperieren – auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene. Ma´ale Irron und Megiddo sind damit bereits das dritte jüdisch-arabische Gemeindepaar in der Region, das durch seine Teilnahme am Kooperationsprogramm echte und gleichberechtigte jüdisch-arabische Koexistenz schaffen will: Ein erster Cluster ist entstanden! Mehr als 20 andere jüdische und arabische Gemeinden in Israel warten allerdings noch auf die Möglichkeit einer Teilnahme an Shared Communities.

„Mustashara“ das Projekt für arabisches Empowerment und Frauenarbeit
Bereits im Sommer wurde das Program Mustashara (arab. für „Beraterin“) entwickelt, das sich an die Frauenbeauftragten in den arabischen Gemeinden Israels wendet. Das Programm soll der Aus- und Fortbildung der in Frauenthemen oftmals selbst noch sehr unerfahrenen Beraterinnen dienen und Vernetzungsmöglichkeiten untereinanderund mit ihren jüdischen Kolleginnen schaffen. Obwohl die Finanzierung noch nicht abschließend gesichert ist, sind wir fest entschlossen, das Programm im Frühjahr 2015 zu starten, denn es gab positive Rückmeldungen von sehr vielen der betroffenen arabischen Frauenbeauftragten im ganzen Land. Als erster Schritt soll nun ein jüdisch-arabisches Netzwerktreffen die ersten bi-nationalen frauenpolitischen Kontakte etablieren.

Face to Face trotzt den Widrikeiten und erfindet sich neu
Auch der Evergreen im jüdisch-arabischen Jugenddialog Face to Face – Von Angesicht zu Angesicht – konnte trotz Förderungsstop durch das Bildungsministerium Israels seine Arbeit fortsetzen. Es freut uns besonders, dass das Begegnungsprogramm auch nach den schrecklichen Ereignissen des Sommers zu Beginn des neuen Schuljahres einen gelungenen Start hinlegen konnte. Face to Face und andere Jugendprogramme erfreuten sich dabei auch der (moralischen) Unterstützung durch Präsident Rivlin und Bildungsminister Piron, die beide den Beginn des neuen Schuljahres 2014/15 unter das Motto des jüdisch-arabischen Dialogs gestellt hatten. Im Sommer 2015 möchte eine Delegation von 10 Jugendlichen einen Besuch bei Gleichaltrigen in Deutschland absolvieren und dabei vor allem in Rheinland-Pfalz Station machen. Gleichzeitig beginnt im neuen Jahr ein komplett neuer pädagogischer Ansatz wodurch gleichzeitig mehr Jugendliche angesprochen werden sollen.

Givat Haviva ist das andere Israel
Dies sind nur drei Beispiele aus Givat Havivas vielfältigem Programmangebot. Sie stehen hier stellvertretend für die Bandbreite unserer Arbeit im Bereich des jüdisch-arabischen Dialogs, des Empowerments im arabischen Sektor, der Demokratie- und Gesellschaftsarbeit. Sie zeugen aber auch von den vielen kleinen Erfolgen und dem nach wie vor ungebrochenen Interesse einer friedlichen Koexistenz zwischen Juden und Arabern in Israel, einem konstruktiven Dialog jenseits der Schlagzeilen und der Radikalisierung weniger extremistischer Scharfmacher.

All dies ist nur möglich durch die breite Unterstützung, die Givat Haviva bei seinen Freunden im In- und Ausland hat und auch Sie sind ein Teil dieses Freundeskreises. Auch Sie haben uns in diesem (wieder) Jahr tatkräfitg unterstützt: durch Ihre Spende, Ihre Rolle als Multiplikator oder als Vertreterin und Vertreter unserer vielfältigen Institutionellen Partner. Es ist jetzt, zum Jahresende, an der Zeit, Ihnen im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Givat Havivas und aller Teilnehmerinnen und Teilehmer an unseren Programme zu sagen: Danke! Danke für Ihre Hilfe!

Natürlich ist unser Weg noch lange nicht zu Ende: Ein neues Jahr steht an mit Wahlen, die dieses Mal wieder ganz eindeutig unter dem Zeichen der Sicherheit und nationaler und nationalistischer Untertöne stehen werden. DenScharfmachern beider Seiten, die sich bereits in Stellung bringen, um den jüdisch-arabischen Konflikt für ihre politischen Ziele zu verschärfen muss vor allem durch die Kraft der Fakten Einhalt geboten werden: Durch die Demonstration der Einheit, wo manche nur Zwietracht sähen wollen, durch Kooperation dort, wo andere nur Konkurrenz sehen und durch Verbrüderung anstatt des Ziehens immer tieferer Gräben.

Helfen Sie mit!
Bitte helfen Sie uns auch im neuen Jahr wieder, Dialoge und Kooperationen zwischen Arabern und Juden in Israel weiter voranzubringen. Die Bürgermeister des Shared Communities-Gemeinden, die Frauenbeauftragten, die Jugendlichen von Face to Face, Kinder Lehren Kinder oder Mit den Augen des Anderen sowie die vielen anderen jüdischen und arabischen Jugendlichen und Erwachsene, die unsere Programme Jahr für Jahr absolvieren sind Zeugen der Bedeutung unserer Arbeit und der Richtigkeit Ihrer Unterstützung.

Givat Haviva wünscht allen seinen Freunden, Partnern und Unterstützern Hag Hanukka Sameach, ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten und erfolgreichen Start in ein neues Jahr 2015.

Mit besten Grüßen, Shalom waSalaam

Yaniv Sagee, Direktor Givat Haviva

Riad Kabha, Direktor jüdisch-arabisches Zentrum für den Frieden in Givat Haviva

Torsten Reibold, Repräsentant Europa

___________________________________
Freundeskreis Givat Haviva Deutschland, e. V.
Mainzer Volksbank
IBAN: DE39551900000353451016
BICMVBMDE55XXX

Spenden im Internet
Encounters: jüdisch-arabischer Jugenddialog bei betterplace.org