Klangdialog: “Shalom/ Salam 2011″ – Givat Haviva auf der Bundesgartenschau in Koblenz

Das war ein Aktionstag im wahrsten Sinne des Wortes. Vorstand, Mitglieder, und Freunde von Givat Haviva aus nah und fern waren am Pfingstsonntag seit dem Morgengrauen im Einsatz. Galt es doch letzte Vorbereitungen zu treffen für die Präsentation von “Givat Haviva” unter dem Motto: „Klangdialog – Shalom/Salam“ auf der Bundesgartenschau in Koblenz.  Seit Monaten hatten sich die zahlreichen Aktiven des Vereins darauf vorbereitet. Die Chance, “Givat Haviva”, eine der ältesten Institutionen, die sich die Friedensarbeit zwischen Israelis und Palästinensern zum Ziel gesetzt hat, den Besucherinnen und Besuchern der BUGA am Pfingstsonntag in Koblenz näher zu bringen, die wollte man möglichst optimal nutzen.

Im Vorfeld hatten Friedel Grützmacher, Vorsitzende von Givat Haviva Deutschland, Alex Elsohn, Europarepräsentant von  Givat Haviva, und Tamina Schilling, zuständig für die Organisation des BUGA-Auftritts, so richtig “gerödelt”. Zahlreiche Treffen mit BUGA-Verantwortlichen, unzählige Telefonate mit den Musikern, die für den Auftritt geworben werden konnten, Technik, Bühne, Transfer, Einladungen, PR, ja bis hin zu den Tischdecken und frischen Blumen auf jedem Tisch… schlicht alles musste geregelt sein.

Und dann war der Pfingstsonntag da! Jetzt wurde es so langsam ernst. Ein “Kindertisch” wurde noch schnell mit einer Papierdecke bespannt, Buntstifte, Postkarten und “Schmierpapier” ausgelegt. Ein Angebot an die jungen Besucherinnen und Besucher, Postkarten mit ihren Ideen zum Thema Frieden zu gestalten.

Die Stellwände mit Informationen zu den zahlreichen Friedensinitiativen von Givat Haviva müssen gegen Windböen gewappnet werden. Irgendwie waren plötzlich Backsteine und Sandsäcke zum Befestigen da- alles lief mit Hilfe aller!

Eine Gruppe “schwärmte aus” und verteilte den Givat Haviva-Flyer an die mittlerweile schon zahlreichen Besucher auf dem BUGA-Gelände! Der Sound-Check für die Musiker lockte die ersten Besucher an. Allerletzte Vorbereitungen: Sonnenschirme aufspannen, zwei Olivenbäumchen auf die Bühne, letzte Gespräche zwischen Friedel Grützmacher, Alex Elsohn und der Moderatorin dieses Tages, Heide Prinzessin von Hohenzollern, Begrüßung der Gesprächspartner, die im Laufe des Tages zu “ihrer” Givat Haviva-Geschichte  befragt werden, ein aufmunterndes Zuwinken an die Musiker, dann ist es soweit!

Heide Prinzessin von Hohenzollern kommt auf die Bühne und begrüsst die Gäste, die voller Erwartung schon mal die Tische “besetzt” haben. Sie stellt Givat Haviva, eine der bedeutendsten und ältesten Institutionen, die sich die Friedensarbeit in Israel und Palästina ins Programm geschrieben hat, vor. Heute wirbt der deutsche Freundeskreis von Givat Haviva hier auf der Festung Ehrenbreitstein für diese Ziele. Der Ehrenbreitstein, eine historische Kulisse, die Zeugnis über Krieg und Frieden, über Erbfeindschaft und Versöhnung abgibt, – also selbst die Umgebung könnte besser nicht passen!

Begrüßung auch durch die Vorsitzende von Givat Haviva Deutschland, Friedel Grützmacher. Ihr Weg zu Givat Haviva führte über die Friedensbewegung, ihre politische Arbeit als Abgeordnete bei den Grünen zu der Friedensarbeit bei Givat Haviva. Die Sprachlosigkeit  aufbrechen, Vertrauen schaffen, Verständigung möglich machen. Viele, viele kleine Schritte auf dem Weg zum Frieden im Nahen Osten – trotz Rückschlägen und einer politischen Stimmung, die alles andere als friedlich ist! Ganz besonders freut sich Friedel Grützmacher darüber, dass auch Besuch von weit her gekommen ist: Joodi Cnaan, Projektmanagerin von Givat Haviva, Israel, und Vorstandsmitglieder der Freundeskreise von Givat Haviva aus den Niederlanden und der Schweiz.

Die Besucher an den Tischen vor und neben der Bühne sind beeindruckt. Viele von ihnen hören zum ersten Mal von der Friedensarbeit des Vereins. Ein BUGA Besuch, der damit mehr ist als eine prächtige Blumen Schau!

Klangdialog zwischen Künstlern mit palästinensischen und israelischen Wurzeln.

Efrat Alony, in Israel geboren, lebt in Berlin und ist seit Jahren immer mal wieder mit Oliver Leicht und Frank Wingold auf Tournee in Deutschland. Das Trio hat zahlreiche Auszeichnungen für ihre Jazz Kompositionen erhalten. Hier in Koblenz brillieren sie mit eigenen Liedern und Jazz aus Israel. Eine großartige Stimme, begeisterter Beifall – auch wenn für den einen oder anderen Free Jazz nicht unbedingt die tägliche “Hausmusik” ist – die Besucher sind beeindruckt!

Anis Hamadeh steht inzwischen am Mikro und zitiert aus seinem Werk “Die Dichter”, ein leicht ironischer, subtiler Streifzug durch die arabische Gesellschaftsgeschichte. Anis, ein Künstler mit palästinensischen Wurzeln, hier ein Botschafter für Friedensarbeit mit humorvollen Zügen – sehr zum Gefallen derer, die an den Tischen sitzen oder “einfach so” stehen geblieben sind und zuhören.

Mittlerweile sind die ersten Postkarten fertig. Die Kinder sind voller Eifer dabei! Ein Porträt von Efrat Alony und ihrem Trio, eine Friedenstaube, bunte Blumen, Regenbögen.., die Palette der Bilder ist groß, und die fertigen Kunstwerke werden mit Wäscheklammern an eine Leine gehängt. Die Vernissage ist eröffnet!

Ein Tag für die Ziele, für die Arbeit, für das Werk von Givat Haviva. Da sind auch “Botschafter” gefragt, die für diese Arbeit stehen.

Hans-Georg Meyer im Gespräch mit der Moderatorin.

Er, der ehemalige Leiter der Landeszentrale für politische Bildung ist Gründungsmitglied von Givat Haviva Deutschland und überzeugter “Friedensaktivist” für den Nahen Osten, glaubt daran, dass das Bemühen um Verständigung, das Eintreten für ein friedliches Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern auf lange Sicht Erfolg haben wird, ja haben muss. Denn zum Frieden gibt es keine wirkliche Alternative – auch wenn zurzeit die politischen Signale ganz anders sind. Ein überzeugter und überzeugender Botschafter für Givat Haviva – der lang anhaltende Beifall der Zuschauer belegt das.

Im Cafe ein Stück weiter oben an der ehemaligen Festungsmauer ist es ein bisschen lauter geworden. Es ist Mittagszeit und damit eine willkommene Unterbrechung, um bei Kaffee oder Wasser noch mal über den Vormittag zu reden, sich neue Eindrücke auf der BUGA zu holen oder auch einfach nur das Gelände auf sich wirken zulassen.

Nachmittag der Gegensätze

Der Klangdialog wird fortgesetzt mit den schwebenden, sirrenden Liedern von Efrat Alony, aber jetzt holt auch Anis Hamadeh seine Gitarre raus. Als er mit seiner warmen, leicht rauchigen Stimme  „Good Night, Louise“ singt, ist der Nachmittag perfekt: ohrenschmeichelnde Klänge, strahlender Sonnenschein, muntere Kinderstimmen am Maltisch, fast könnte man vergessen, um was für einen schmerzhaften Konflikt es bei der Arbeit von Givat Haviva geht.

Aber Verschweigen oder gar Übertünchen des Konflikts ist nicht die Sache von Givat Haviva. Darum setzt auch der „Palästina Express“, ein satirisches Stück von Anis Hamadeh, einen deutlichen Gegenpol. Hier bezieht einer – aus seiner persönlichen Geschichte heraus – eindeutig Stellung für Palästina, auch wenn er nicht spart mit selbstkritischen Tönen: so leitet er sein Programm ein mit der Bahnhofsansage: „ Achtung! Auf Gleis 3, 4, 5 bis 9 und 10 und 11: der Palästinaexpress fährt seitwärts ein.“ Dieser Beitrag  polarisiert: während einige Zuhörer verärgert weggehen, ist der „Palästina Express“ für andere der Höhepunkt des Tages.

Vorher hatte Christian Sterzing, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und langjähriger Leiter der Heinrich Böll Stiftung in Ramallah, aus seiner fast lebenslangen engen Verbindung mit Israel und Palästina heraus die gegenläufige Entwicklung in beiden Ländern skizziert: auf der palästinensischen Seite  ein immer erfolgreicherer Staats-und Demokratieaufbau, auf israelischer Seite die immer stärkere Abschottung gegenüber allem Nichtjüdischen. Auch wenn es die Aufgabe der Regierungen ist, den Friedensprozess in Gang zu bringen, so muss doch wahrer Friede auch und vor allem von unten wachsen. Da liegt die große Aufgabe von Givat Haviva.

Den klangvollen Ausklang des pfingstlichen Klangdialogs bildet das Projekt „Candy’s Galactic Lounge“ von Andreas Raseghi, einem Musiker mit iranischen Wurzeln. Während sich nach dem langen Nachmittag nun einige der Zuhörer trollen, werden die anderen Ohrenzeugen eines ganz besonderen Events: das, was sie jetzt gerade auf der Givat Haviva Bühne der Bundesgartenschau hören, wird zeitgleich auf dem „Radio all for Peace“ gesendet  und grenzüberschreitend gehört von Menschen in Tel Aviv und Gaza, in Ramallah und Jerusalem.

Fazit

Erst mal: alles hat super geklappt, dank der tollen minutiösen Vorbereitung des Orga Teams: Tamina, Alex und Friedel.

Dann: der Freundeskreis konnte neue wichtige Kontakte knüpfen, und es wurden sehr viele Leute mit der Botschaft von Givat Haviva erreicht.

Und last but not least: alle Beteiligten haben den Tag nach Herzenslust genossen, es war zwar Arbeit, aber eine, die ganz viel Spaß gemacht hat.

Und dann passte auch noch das Wetter – trotz strahlendem Sonnenschein eine angenehme Kühle – und das Ambiente: die dicken, hohen Festungsmauern um unsere Bühne herum, in denen man sich ganz geborgen fühlte  und dann draußen vom Festungsvorplatz aus der unglaublich beeindruckende Ausblick auf die beiden großen Flüsse Rhein und Mosel und auf Koblenz.