Zurück auf dem Weg – Ein Bericht über das Projekt “von Angesicht zu Angesicht”

Wie vielleicht von vielen so gedacht, hat das Jugendprogramm „Von Angesicht zu Angesicht“ zu Jahresbeginn eine schwierige Zeit gehabt. Durch den Konflikt im Gazastreifen und die Wahlen sahen wir uns dem Hass und dem Misstrauen gegenüber, welche die Atmosphäre zwischen den beiden in Israel lebenden Gesellschaften, Juden und Arabern, beherrschen. Diese hässliche Realität hat die Bedeutung unserer schlichten Botschaft noch verstärkt, und auch die Wichtigkeit unserer schwierigen Mission, die Menschen zum Gespräch miteinander zusammenzuführen, um bessere Verständigung zu schaffen und den Weg zu einer besseren Zukunft für alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes zu schaffen. Wir fühlen nun erneut die Wichtigkeit unseres Tuns, die uns die notwendige Energie verleiht unsere Arbeit weiterzuführen.

Während des Monats Januar, als die Gewalthandlungen ihre Spitze erreichten, waren beinahe alle unsere Aktivitäten zum Erliegen gekommen. Erst gegen Ende des Monats und im Februar begannen wir das heikle Unterfangen, langsam die Aktivitäten wieder auf ihren geplanten Pfad zurückzuführen. Die Schulen zeigten große Zurückhaltung in ihrer Teilnahmebereitschaft. Unser Team teilte ebenfalls das Gefühl, dass auch mit Wiederaufnahme unserer Aktivitäten die Dinge nicht „normal“ sein werden und es einer besonderen Aufmerksamkeit und Vorsichtigkeit in unserer Arbeit mit den Jugendlichen bedürfe.

Am 4. Februar fand unser erster Begegnungsworkshop nach dem Krieg statt. 50 Schülerinnen und Schüler aus Tel-Aviv und der arabischen Stadt Sakhnin nahmen an dem zweitägigen Dialogsseminar in Givat Haviva teil. Unsere vorhergehenden Befürchtungen schwanden schnell dahin. Die Jugendlichen waren viel offener und voller Bereitschaft für die Begegnung als wir erwartet hatten. Der soziale Kontakt unter den Jugendlichen war sehr schnell geschaffen und sogar in heißen Diskussionsphasen agierten die beiden Seiten mit Respekt in Bezug auf die anderen Meinungen. Die respektvollen Diskussionen gingen unter den Jugendlichen sogar während der Pausen weiter.

Iris, Lehrerin der Tel-Aviver Schule: „Ich war eigentlich ziemlich sicher, dass es OK sein wird. An unserer Schule haben wir diese Belange fortwährend besprochen und meine Schüler waren sehr motiviert, an diesem Workshop teilzunehmen. Die wenigen Zögernden wurden am Ende von ihren Freunden umgestimmt, die letztes Jahr am Programm teilgenommen haben.“

Ahmad, aus Sakhnin: „In Sakhnin wars nicht so einfach die letzten Monate, aber für uns gibt es dort ein echtes Bedürfnis nach solchen Beziehungen zu Juden. Die Abspaltung ist eine gefährliche Option für uns, sie stärkt Hassgefühle und Feindseligkeit. Man muss sich nur den Erfolg von Lieberman’s Partei ansehen, um die Situation zu verstehen in der wir uns dieser Tage befinden.“

Gleichzeitig wurden wir mit dem Besuch des Botwschafters der EU in Israel geehrt. Er führte eine Delegation führender jüdischer und arabischer Geschäftsleute an. Der Botschafter sprach mit Schülern des Workshops und kommentierte: „Das in Givat Haviva geführte Projekt ‘Von-Angesicht-zu-Angesicht’ ist äußerst wichtig. Es gibt jungen Israelis, Juden und Arabern die Gelegenheit zur Begegnung, zum Gespräch, zur Auseinandersetzung und zur Möglichkeit neuer Freundschaften. Infolge meiner Gespräche soeben mit einigen der Teenager aus Tel-Aviv und Sakhnin wurde mir bewusst, dass Ihr Projekt eventuell für diese Jugendlichen die einzige Möglichkeit einer Begegnung für sie ist.“

Zu unserer großen Freude reagierten auch die begleitenden Geschäftsleute sehr positiv und wir können in Folge einen wichtigen Meilenstein auf unserem Weg bezeichnen: das erste Mal in unserer Geschichte werden wir von arabischen Geschäftsleuten größere substantielle Hilfe erfahren dürfen.

Auch der zweite Workshop im Februar verlief erfolgreich und das ist unserem Selbstvertrauen zuträglich. Noch haben wir einen hohen und steilen Berg vor uns zu erklimmen und viele Faktoren ziehen uns auch immer wieder nach unten. Aber wir gehen in diesen Wochen weitere Schritte vorwärts…