Yael Dayan und Hanna Siniora zu Gast in Berlin

Podiumsdiskussion v.l.n.r.: Hanna Siniora, Andrea Bähner (Moderatorin), Ministerpräsident Kurt Beck, Yael Dayan

Auf Einladung des Auswärtigen Amtes weilten Yael Dayan, Vizebürgermeisterin von Tel Aviv, und Hanna Siniora, Mitglied des palästinensischen Nationalrats, vom 1. bis 4. Dezember 2008 zu politischen Gesprächen in Berlin.

Ein Höhepunkt des Aufenthaltes war 2. Dezember die Ausstellungseröffnung zur Arbeit von Givat Haviva in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz. Yael Dayan und Hanna Siniora diskutierten mit Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin über den Konflikt zwischen Juden und Palästinensern und über Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des friedlichen Zusammenlebens.

Die Ausstellungseröffnung und das Podiumsgespräch sind als Startschuss für das 60jährige Jubiläum gedacht, das Givat Haviva im Jahr 2009 feiert. Die Kernidee von Givat Haviva ist seit mehr als 40 Jahren die Verständigung zwischen Juden und Arabern. Eine Idee, mit der Givat Haviva fast immer in diesen Jahrzehnten gegen den Mainstream in Israel und Palästina ankämpfte.

Informationsgespräche mit SPD-Bundestagsabgeordneten am Rande der Veranstaltung v.l.n.r.: Klaus Hagemann, MdB, Heinz Schmitt, MdB und die Vorsitzende von Givat Haviva Deutschland, Friedel Grützmacher.

Der Abend in Berlin machte deutlich, dass Givat Haviva einflussreiche und unermüdliche Mitstreiter auf der jüdischen und auf der palästinensischen Seite hat. Obwohl sich zur gleichen Zeit Siedler und Palästinenser in Hebron Straßenschlachten lieferten, obwohl zur gleichen Zeit wieder Kassam-Raketen vom Gazastreifen aus auf Israel geschossen wurden und das israelische Militär zwei palästinensische Militärs tötete, blieb die Diskussion zwischen Frau Dayan und Herrn Siniora von gegenseitigem Respekt getragen. Beide machten sehr deutlich, dass es in ihrer Ablehnung sowohl der aggressiven Siedlerproteste als auch der Raketenangriffe auf Israel keinen Unterschied gibt.

Frau Dayan forderte von beiden Gesellschaften, dass sie voran gehen mit ihren zivilen Initiativen, mit der Stärkung von NROs, die sich der Durchsetzung von Bürgerrechten, von Frauenrechten und Umweltschutz widmen, so als ob Frieden wäre. „Wir müssen die Illegalität der gegenwärtigen Situation umgehen und die zivile Entwicklung in beiden Gesellschaften stärken. Givat Haviva ist da ein Modell für die gelebte Gleichberechtigung von Juden und Arabern,“ so Yael Dayan.

Hanna Siniora kündigte an, dass die Palästinenser jetzt zum ersten mal versuchen werden, die moderaten Parteien in Israel bei den anstehenden Wahlen im Februar zu unterstützen, in dem sie in jüdischen Zeitungen Anzeigen schalten, die die Arabischen Friedensinitiative von 24 arabischen Ländern des Nahen Ostens bei den Menschen in Israel bekannt machen sollen. Diese Friedensinitiative ist so wichtig, weil da zum ersten mal von den arabischen Nachbarstaaten die Existenz des Staates Israel in den Grenzen von 1967 anerkannt wird, wenn Israel die besetzten Gebiete räumt. „Dies ist jetzt eine kritische Zeit,“ erklärte Hanna Siniora, “ Wenn bei den israelischen Wahlen die rechtsgerichteten Parteien gewinnen, dann ist der Friedensprozess in Gefahr.“

Ministerpräsident Beck machte deutlich, dass für die Landesregierung der angestrebte Friedensprozess im Nahen Osten ein Herzensanliegen ist. „Die Förderung des Verständnisses füreinander ist die Grundlage für in friedliches Zusammenleben von Menschen mit arabischen und jüdischen Wurzeln. Die Projekte von Givat Haviva sind daher ein wichtiger und notwendiger Grundstein für die friedliche Zukunft Israels,“ so der Ministerpräsident. Auch ein Bundesland kann sich für diese friedliche Zukunft einsetzen, so fördert Rheinland-Pfalz schon seit 14 Jahren die Friedensarbeit von Givat Haviva sehr großzügig und das nicht nur ideell sondern auch finanziell.

Die mehr als 150 geladenen Gäste hatten nach dem Podiumsgespräch noch die Gelegenheit, persönlich mit Frau Dayan und Herrn Siniora über die Situation im Nahen Osten zu diskutieren.