„Mit den Augen des Anderen“

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der jüdisch-arabisch-deutschen Jugendbegegnung mit Vorstandsmitgliedern von Givat Haviva Deutschland e.V. beim offiziellen Empfang im Gästehaus der Landesregierung, Mainz

Unter diesem Motto veranstaltete der Landtag Rheinland-Pfalz in Kooperation mit Givat Haviva vom 20. bis 29. August eine Begegnung für jüdische und arabische Jugendliche aus Israel mit Jugendlichen aus Rheinland-Pfalz. Der Veranstaltung wurde von Givat Haviva Deutschland e.V. unterstützt.

Im Rahmen von Workshops, Exkursionen, Gesprächsrunden und – last but not least – Freizeitaktivitäten haben die Jugendlichen gelernt, die „Welt mit den Augen des Anderen“ zu sehen.

Wie schmerzhaft und schwierig das vor allem für die arabischen und jüdischen Jugendlichen ist, wurde gleich zu Beginn klar.

Die arabischen Jugendlichen wandten sich ganz entschieden dagegen, mit ihrem Besuch – so wie es in den offiziellen Begrüßungsworten anklang – das 60 jährige Jubiläum des Staates Israel zu feiern. Für sie ist die Geburtsstunde Israels immer noch die größte Katastrophe, die ihrem Volk, dem palästinensischen Volk, in der Neuzeit zugestoßen ist.

Und auf der anderen Seite war für die jüdischen Jugendlichen das Wort „Araber“ bis zu dieser Begegnung in Mainz gleichbedeutend mit dem Wort „Terrorist“, wie eine jüdische Teilnehmerin in einem Interview sagte.

Diese Beispiel lassen vielleicht annähernd ermessen, welche Leistung die Jugendlichen vollbringen, wenn sie sich nach den unvermeidlichen und oft lauten und erbitterten Diskussionen beim Fußball spielen und bei anderen Freizeitaktivitäten wieder „wie eine Familie fühlen.“ Das haben alle Teilnehmer immer wieder betont, sowohl die jüdischen wie auch die arabischen. Aber dann kam bei einem arabischen Jugendlichen noch ein nachdenklicher Nachsatz: „Wir haben uns tatsächlich wie eine Familie gefühlt. Auch wenn ich nicht weiß, warum“.

Mit diesem Nachsatz hat der junge Araber intuitiv genau das auf den Punkt gebracht, was Givat Haviva mit seinen Programmen und Projekten erreichen will und offensichtlich auch immer wieder erreicht: Am Ende der Seminare und Begegnungen sind die Jugendlichen auf einmal irritiert. Sie sind irritiert über das, was in ihnen vorgeht, weil das überhaupt nicht mehr zu dem gewohnten Denkschema, zu den bisher “normalen” Gefühlen und Emotionen passt. Und diese Irritation, dieses “ich weiß nicht, warum ich so fühle” ist ganz entscheidend. Nur so kann es beginnen: das Aufbrechen von Stereotypen und Klischees und der Mut zum eigenständigen Denken. Erst dann kann der Verständigungsprozess beginnen.

Zusammen mit Alex Elsohn haben auch einige Mitglieder des Vorstands von Givat Haviva Deutschland zeitweise an der Jugendbegegnung teilgenommen:

Friedel Grützmacher, die Vorsitzende des deutschen Freundeskreises, fasste danach die Eindrücke der Vorstandsmitglieder zusammen: “Wir waren sehr beeindruckt von der Vitalität und der Ehrlichkeit der Gruppe. Da wurde nichts verschwiegen oder unter den Teppich gekehrt.”

Aber vielleicht entstand gerade deshalb eine große emotionale Nähe zwischen den Jugendlichen, die sich dann im Gespräch mit Ministerpräsident Beck zeigte, als ein israelischer Jugendlicher fragte, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe für einen Rückbesuch der deutschen Jugendlichen in Israel.

Als der Ministerpräsident darauf zusagte, dass er sich dafür einsetzen würde, brauste der Applaus auf.

Abschließend stellt Friedel Grützmacher fest: “Wir vom Freundeskreis Givat Haviva Deutschland freuen uns über das große Echo, das diese Jugendbegegnung in den Medien in Rheinland-Pfalz gefunden. Wir glauben, dass so ein „Trialog“ bisher einzigartig in Deutschland ist.

Der Erfolg dieser Begegnung, so wie wir es bei den Jugendlichen immer wieder raushören konnten, hat die Anstrengungen alle mal gelohnt.” Wie sagte doch eine der Jugendlichen: ‘Ich bin sicher, dass die Erlebnisse dieser Tage uns ein Leben lang begleiten werden’.