Dagmar Schmidt, 8. April 1948 – 9. November 2005

Mit großer Betroffenheit haben wir vom plötzlichen Tod unserer Vorstandsvorsitzenden Dagmar Schmidt erfahren. Seit Mai 2003 war sie Vorsitzende des Vorstandes von Givat Haviva Deutschland. Nur wenige Tage vor ihrem Tod ist sie auf unserer Mitgliederversammlung erneut in diesem Amt bestätigt worden.

Dagmar Schmidt wurde am 8. April 1948 in Herten/Westfalen geboren. Die ausgebildete Lehrerin und Fotografin vertrat seit 1994 als Bundestagsabgeordnete der SPD den Wahlkreis Hochsauerland. Sie war verheiratet und hatte einen Sohn. Neben ihrer Mitgliedschaft bei Givat Haviva Deutschland war sie unter anderen Mitglied von amnesty international, des Kinderschutzbundes, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Meschede, der Freunde der Völkerbegegnung Meschede und des werkkreises kultur meschede.

Trotz der enormen Anforderungen, die das Mandat als Bundestagsabgeordnete mit sich brachte, hat sich Dagmar Schmidt unermüdlich für die Belange Israels und ein friedliches Miteinander von Juden und Arabern eingesetzt. Auch die Beziehungen Deutschlands zu Israel waren ihr eine Herzensangelegenheit. So unterstützte sie das Begegnungsprojekt für Erwachsene „Kesher“ in NRW und lud eine Delegation jüdischer und palästinensischer TeilnehmerInnen dieses Projekts zu sich ins Sauerland, wo sie es verstand herzliche Bande zu knüpfen zwischen den Gästen aus der Konfliktregion und den Gastgebern in ihrer eigenen Heimat.

Als Sprecherin der Israelgruppe der SPD-Fraktion im Bundestag war es ihr ein Anliegen auch ihren parlamentarischen KollegInnen Einblick und Verständnis zu verschaffen über das Mosaik verschiedener zivilgesellschaftlicher Projekte in Israel. VertreterInnen Givat Havivas durften mehrmals vor diesem Gremium sprechen und Mitglieder dieser parlamentarischen Gruppe unter der Führung von Dagmar Schmidt in Givat Haviva als Gäste begrüßen.

Höhepunkte während ihrer Vorstandstätigkeit bei Givat Haviva Deutschland waren die Verleihung des Haviva-Reik-Friedenspreises 2003 an Daniel Barenboim, die Eröffnung der Wanderausstellung „Mit den Augen des Anderen“ durch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Susanne Kastner, am 4. November 2003 im Deutschen Dom in Berlin, die Uraufführung des Theaterstückes „Kidnapping“ im Staatstheater Mainz am 13. Dezember 2004, das Abschlusskonzert der Tournee „Shalom-Salam“ am 26. Mai 2005 im DaimlerChrysler Atrium in Berlin und die erstmalige Ausrichtung des Internationalen Freundeskreistreffens durch Givat Haviva Deutschland e.V. vom 27. bis 29. Mai 2005 in Mainz.

Dagmar Schmidt war durch und durch ein „homo politicus“. Ihr unermüdliches Engagement im Deutschen Bundestag und in Vereinen und Organisationen, vor allem bei Givat Haviva und in der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, war getragen von einem tiefen Demokratieverständnis und dem Verlangen, an einem besseren Verständnis der Menschen – vor allem in Israel, aber auch zwischen Deutschen und Israelis – mitzuarbeiten. Durch ihre fröhliche, offene und stets hilfsbereite Art wurden ihr von allen Seiten Respekt und Anerkennung entgegengebracht. Ihr unabhängiger Geist und ihre Geradlinigkeit waren beispielhaft. Mit ihrem Tod verlieren wir eine geschätzte und gesuchte Gesprächspartnerin und vor allem einen großartigen Menschen. Wir werden ihr stets ein ehrendes Andenken bewahren und in ihrem Sinne weiter arbeiten.

Der Familie von Dagmar Schmidt gilt unser tief empfundenes Beileid.

Der Vorstand von Givat Haviva Deutschland e.V.

und ALEX G. ELSOHN
Givat Haviva – European Representation