Verleihung des Jugend-Friedenspreises

Am 11. Oktober gab es einiges zu Feiern zu Sakhnin, einer kleiner arabischen Stadt im Norden Israels und das hatte zwei gute Gründe. Die Teilnehmer des Projektes Professional Training of PR Officials in a Minority Group, ermöglicht durch die Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung, erhielten nach einem Jahr der intensiven Weiterbildung ihr Abschlusszertifikat. Ziel des jährlich durchgeführten Trainings ist es, den Mitarbeitern aus arabischen Gemeinden Handwerkszeug für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch Fähigkeiten der Mitarbeiterführung, Managementarbeit, Marketing und Verhandlungssicherheit zu vermitteln. Anschließend wurde der 17-jährigen Rim Mazarwah und der ein Jahr jüngeren Peleg Ben-Yehuda der Jugend-Friedenspreis verliehen. Damit erhielt sowohl eine arabische als auch eine jüdische Jugendliche die Auszeichnung. Die Würdigung fand im Beisein der Eltern der Jugendlichen und Vertretern der Regionalbehörde, dem Sozialattache der Botschaft Deutschlands in Israel Detlev Bruse sowie dem Leiter der Friedrich Ebert Stiftung in Israel, Hermann Bünz, statt.

Verleihung des Jugendfriedenspreises in Sakhnin

Der, mit umgerechnet 500 Euro dotierte, Preis ist eine Spende des deutschen Ehepaares Dagmar und Fred Eggeling aus Wietze bei Celle. Wunsch des Ehepaares sei es, mit diesem Preis ein Zeichen für Verständigung und Toleranz unter den Jugendlichen in der krisengeschüttelten Region zu setzen, sagt Alex Elsohn, Leiter der Europaabteilung bei Givat Haviva. Die Preisträger, beide stammen aus zentralisraelischen Wadi Ara-Region, arbeiten gemeinsam in Versöhnungs- und Verständigungsprojekten zwischen den jugendlichen Mitgliedern ihrer Volksgruppen. Die jüdischen und arabischen Gemeinden in Israel sind, obwohl oftmals direkte Nachbarn, einander völlig fremd und das Wissen übereinander beschränkt sich weitgehend auf Hörensagen und lange gepflegte Vorurteile. Hauptaufgabe der Arbeit mit Jugendlichen ist es daher, diese inhaltliche aber auch emotionale Barriere zu durchbrechen. Mit ihrer Zusammenarbeit als Leiterinnen von Kindergruppen in einem jüdisch-palästinensischen Begegnungsprojekt seien Rim und Peleg als Teenager bereit gewesen, große persönliche Verantwortung zu übernehmen und als Beispiel ihren Alterskameraden voranzugehen, heißt es in der Begründung für die Preisverleihung.

Im Rahmen ihres Engagements nahmen Peleg und Rim an gemeinsamen jüdisch-arabischen Begegnungs- und Kreativprojekten Givat Havivas teil und beteiligten sich intensiv an deren inhaltlicher Vorbereitung und Durchführung. Zusammen mit weiteren Jugendlichen reisten sie zu verschiedenen Friedensworkshops in die USA, und waren Teilnehmerinnen an dem Fotografiekurs Mit den Augen des Anderen für jüdische und arabische Jugendliche im Begegnungszentrum Givat Havivas. Durch die aktive Leitung übernahmen die zwei Jugendlichen persönliche Verantwortung und Vorbildfunktion von Kindergruppen des Projekts Mezer-Meiser, eine jüdische und arabische Kinderbegegnung zur Überbrückung der Ängste nach dem Terroranschlag in Mezer. Der Friedenspreis soll dieses freiwillige Engagement zur Versöhnung zwischen Juden und Arabern würdigen und die Beiden ermutigen, in ihrem Bestreben nach Verständigung und einem friedlichen Miteinander nicht nachzulassen.
Der jüdisch-arabische Jugend-Friedenspreis sei aber auch für Givat Haviva eine Neuerung, sagt Elsohn. „Preise für gesellschaftliches Engagement oder Friedensaktionen werden ständig verliehen. Meistens an Honoratioren oder Menschen, deren Aktivitäten sowieso schon international bekannt sind”, so Elsohn weiter. „Mit dem ‘Jugend-Friedenspreis’ wollen wir daher ganz besonders das Engagement der jungen Generation für den Frieden würdigen. Es liegt an ihr, die kommenden Jahrzehnte zu bestimmen – ob zum guten oder zum schlechten.” Der Preis, so Elsohn, solle diejenigen ermutigen, die sich endlich einer guten Zukunft im Nahen Osten zuwenden wollten.